Hey ihr,
Ich muss einfach mal meine Gedanken mit der Internetwelt teilen, weil mein Umfeld dieses Thema nicht wirklich verstehen kann. Tut mir leid falls es etwas länger wird aber es liegt mir schon länger schwer auf dem Herzen.
Ich habe mehrere psychiatrische Diagnosen. Borderline, ADHS, PTBS, und chronische Depressionen. Derzeit befinde ich mich auch in einem ärztlichen Diagnoseverfahren für 1-2 körperliche chronische Erkrankungen.
Ich war schon immer psychisch eher fragil und hatte kaum Resilienz die mir durch die schweren Zeiten hilft. Von meinen Eltern konnte ich nie Unterstützung für meine psychischen Probleme erwarten. Beide „glauben“ nicht an die Existenz davon. Obwohl es mehr als offensichtlich ist, dass meine Mutter seit mindestens 25 Jahren schwere psychische Probleme hat.
Ich bin 25 Jahre alt, studiere und habe einen Minijob. Alles was ich im Leben bisher getan habe, sei es arbeiten, Schule, Uni oder einfach normale Haushaltsaufgaben sind mir schon immer so unglaublich schwer gefallen. Bis ich 21 Jahre alt war, hatte ich überhaupt keine Diagnosen. Ich dachte mein Leben würde einfach irgendwann leichter werden und dass ich Aufgaben irgendwann einfach hinbekomme.
Mittlerweile bin ich an dem Punkt, wo ich den Haushalt überhaupt nicht mehr hinbekomme. Außerdem komme ich jetzt ins 4 Semester und habe gerade einmal 40 von 120 cps gesammelt. Bafög werde ich nur noch dieses Semester bekommen.
Es fällt mir schwer mich um mich selbst zu kümmern. Einkaufen ist mir zu viel, Essen zubereiten schaff ich mental nicht, es ist mir super peinlich aber selbst meine Körperhygiene ist für mich super harte Arbeit und fällt mir oft schwer. Das Haus verlasse ich kaum noch. Nur für den Minijob.
Ich habe den ganzen Tag über Panikzustände und sitze nur depressiv auf dem Sofa. Alle Sachen die ich mir vornehme um mein Leben wieder auf die Reihe zu kriegen, scheitern schon am ersten Tag.
Es ist oft eine Mischung aus: ich habe einfach körperlich keine Energie um mich zu bewegen und mein Geist steht mir irgendwie selbst im Weg.
Dadurch dass ich irgendwie mein Abitur geschafft habe (schlechter Schnitt), danach eine Ausbildung gemacht habe und arbeiten gegangen bin und außerdem äußerlich immer sehr vernünftig aussehe, haben mein Psychiater und meine ehemaligen Therapeuten nie richtig wahrgenommen, dass ich eigentlich überhaupt nicht „hoch funktional“ bin. Ich gehe arbeiten und sehe so aus, als würde ich mich um mein Äußeres kümmern. Mehr nicht.
Seit knapp 3 Jahren bin ich nicht mehr in Therapie. Stehe schon auf der Warteliste für einen Platz ab dem Sommer.
Ich bin mittlerweile an einem Punkt angekommen, besonders durch die potentiellen körperlichen Erkrankungen, wo ich mir die Frage stellen muss: wird das alles wirklich irgendwann besser oder bin ich wirklich eingeschränkt in meinem Leben. Ich hatte nie überhaupt die Möglichkeit in Betracht gezogen, dass ich so sehr in meinem Leben und meinem Wohlbefinden eingeschränkt sein könnte, dass es offiziell als Behinderung gelten könnte.
Aber ich schaffe es nicht. Und um ehrlich zu sein habe ich das alles auch noch nie geschafft. Es ist nicht so als wären das alles temporäre Zustände, sondern ich habe mein Leben lang unter diesen Problemen gelitten.
Die große Hürde, mich überhaupt mit dem Thema auseinander zu setzen und erstmal einen Antrag zu stellen, ist der Gedanke dass ich wirklich einen GdB bekommen könnte. Ich habe keine Vorurteile gegenüber Menschen mit Behinderungen. Meine Mutter ist selber schwerbehindert. Aber dieser Gedanke macht mir Angst. Und ich weiß nicht wohin mit mir. Ich hätte nie erwartet das ich mit 25 behindert sein könnte oder es evtl. schon immer war. Ich dachte es würde irgendwann besser werden. Ich muss mir wohl eingestehen, dass es wohl nicht der Fall sein wird.
Danke an alle die bis hierhin gelesen haben.